Tumorregister liefert überraschende Ergebnisse

Die Zahlen von KrebserkrankungenMagenkrebs, Zervixkarzinom und Lungenkrebs sind rückläufig. Blutkrebsarten nehmen zu.

Krebs ist eine Alterserkrankung, an der etwa 40% aller Menschen im Laufe ihres Lebens erkranken. Auf 100.000 Einwohner kommen etwa 500 Neuerkrankungen pro Jahr, mehr als die Hälfte davon kann geheilt werden. Dennoch ist etwa in Amerika Krebs heute bereits die häufigste Todesursache. „Bei Krebs geht es um existenzielle Fragen, und die Menschen haben ihre Zweifel, ob die Ärzte wirklich alles getan haben", sagte Dieter Hölzel kürzlich bei einem Vortrag in Graz. Hölzel ist Leiter des Tumorregisters München (TRM), dessen erklärtes Ziel seit seiner Gründung 1978 „Cancer Control", die Reduzierung der Belastung der Bevölkerung durch Krebs, ist. Das Tumorregister versucht, in einer definierten Region Krebsneuerkrankungen und deren Verlauf statistisch zu erfassen. In Österreich gibt es ebenfalls eine Statistik, die Datenerfassung beschränkt sich jedoch auf Inzidenzen und Sterbefälle.

Nach fast 30 Jahren Pionierarbeit hat das TRM ein flächendeckendes Netz aufgebaut. Die Daten aus operativen Fachgebieten, Onkologie, von niedergelassenen Ärzten, Strahlentherapie, Pathologie und Einwohnermeldeämtern werden an das Tumorregister geleitet. Dort werden sie zusammengefasst, pseudonymisiert und versorgungsnah dem Netzwerk zur Verfügung gestellt. „Dokumentation ist eine bewusste Abstraktion hin auf ein bestimmtes Ergebnis", erklärt Hölzel. „Es geht um Transparenz und Vergleichbarkeit. Das läuft heute unter dem Begriff Qualitätssicherung."

Unbequeme Ergebnisse zeigen sich bei Vergleichen mit Studien.

„Für Studien besteht in der Regel eine Altersgrenze um die siebzig Jahre. 50 Prozent der Frauen etwa, die von Darmkrebs betroffen sind, sind jedoch älter, dadurch bekommen Sie Erfolgsergebnisse, die nicht dem Versorgungsalltag entsprechen." Durch derartige Verschiebungen sei man in der Lage, jedes gewünschte Ergebnis zu erzielen, das aber nicht der Realität entspreche. „Ich baue ihnen jede beliebige Kurve und erkläre ihnen, dass alles gut wird. Und es ändert sich doch nichts."

Mithilfe des Tumorregisters München lässt sich beobachten, dass bestimmte Krebsarten, wie etwa Magenkrebs, das Zervixkarzinom oder Lungenkrebs rückläufig sind, während etwa verschiedene Blutkrebsarten zunehmen.

Das TRM, das um die 4,4 Mio. Menschen erfasst, wird mit etwa einer Mio. € pro Jahr mehr schlecht als recht von Ministerium finanziert. Die Krankenkassen sind zwar interessiert, konnten jedoch noch nicht für eine Beteiligung gewonnen werden. „Was ist das für ein Gesundheitssystem, das über Controlling, Rationalisierung und Effizienz spricht und nicht bereit ist, einen Bruchteil der Ausgaben für Qualitätssicherung auszugeben", fragt Hölzel.

Das Konzept könnte seiner Meinung nach auch auf andere Länder übertragen werden. „Wenn der finanzielle Rahmen und die Personalstruktur stimmen, wäre das in einem Jahr zu leisten." Ein Krebspatient kostet das Gesundheitssystem im Schnitt 40.000 €. Für 50 Cent pro Einwohner ließe sich ein Krebsregister anlegen.

Quelle: healtheconomy, 14.12.2007