Einsatz für die Krebs-Suchhunde

Rocky unterscheidet sich äußerlich nicht von anderen freundlichen Labrador-Mischlingen. Wohlerzogen marschiert er neben seinem Herrchen Wolfgang Gleichweit her und bedankt sich artig für das Leckerli, das er bei uns in der Redaktion bekommt.

Wenn Rocky aber in den Testraum geführt wird, in dem sich Phiolen mit Atemluft befinden, ist sein Blick konzentriert und seine Nase arbeitet auf Hochtouren. Mehrmals schnüffelt er intensiv an den Öffnungen der Röhrchen, geht noch einmal zurück, um sicher zu sein. Dann bleibt er vor einer Probe stehen, zeigt an, dass er etwas gefunden hat. Lob ist ihm sicher. Ob das Tier damit tatsächlich ein Menschenleben gerettet hat, wird sich zeigen. Die Chancen für die Patientin, die ihre Atemprobe an den Verein zur Ausbildung von Gebrauchs-, Forschungs- und Suchhunden (V.G.F.S.) geschickt hat, um Gewissheit über das Vorhandensein eines Karzinoms zu erlangen, sind hoch. Rocky irrt sich nämlich so gut wie nie. Er ist ein ausgebildeter Krebssuchhund. Zusammen mit sechs anderen vierbeinigen Detektiven stellt er seine Spürnase in den Dienst des Lebens.

Die Nase eines Hundes besitzt etwa 250 Millionen Riechzellen. Durch das Schnüffeln, schnelles abgesetztes Atmen, werden Gerüche in die Riechzellen transportiert und im Gehirn verarbeitet. Damit kann er auch geringste Duftspuren aufnehmen, erkennen und unterscheiden - sogar ein einziges Duftmolekül aus einer Billion anderer. "Entsprechendes Training mit dem Tier erhöht die Arbeitsleistung des Gehirns und die Unterscheidungsfähigkeit noch um ein Vielfaches. Jede Duftspur hinterlässt im Riechhirn des Hundes einen eindeutigen Fingerabdruck", erklärt Wolfgang Gleichweit aus Frohnleiten (Stmk), Gründer des Vereins und 30 Jahre lang erfahrener Hundeführer bei der Polizei sowie bei der Ausbildung von Schutz-, Such- und Rettungshunden. Er bildete 1996 den ersten Sprengstoff-Suchhund Österreichs aus.

Wie riecht nun aber Krebs? Gleichweit: "Krebszellen enthalten typische Inhaltstoffe, etwa Benzole und alkalische Gerüche. Das können unsere Hunde aus der Atemluft erkennen und zwar bereits in einem Stadium, wo noch kein Tumor mit technischen Geräten auffindbar ist. Das kleinste Lungenkarzinom, das die Hundestaffel aufgespürt hat, war vier Millimeter groß." Im Anfangsstadium sind viele bösartige Erkrankungen heilbar. Zur Begutachtung in Frage kommen v. a. Krebsgeschehen in der Lunge, der Brust, der Blase, des Magendarm-Traktes und der Eierstöcke.

Eine österreichische Pilotstudie unter Aufsicht einer Lungenfachärztin wurde im vergangenen Jahr durchgeführt. Insgesamt kamen 2250 Überprüfungen aus dokumentierten Krebsfälle (aus einer lungenfachärztlichen Praxis), Leer- und Kontrollproben zum Vergleich. Insgesamt waren 93,2 Prozent der Schnüffelergebnisse richtig!

Wie werden Atemluft-Proben hergestellt?

Ein Test besteht aus einen Luftsack mit Atem- und Teströhrchen. Nüchtern morgens den Luftballon aufblasen und dann den Inhalt in das Teströhrchen pressen. Das dauert etwa 20 Minuten. Durch ein Absorbtionsmittel (darin bleibt der Duftstoff sozusagen "hängen") wird die Atemluft gefiltert, vorbereitet und gespeichert. Nach diesem Vorgang muss man das Röhrchen abnehmen und Plastikkappen aufsetzen. Die Ausarbeitung einer Probe dauert etwa drei Wochen. Nach Vorliegen des Ergebnisses wird ein Laborbericht versandt.

Vier bis fünf Hunde absolvieren einen "Schnüffeldurchgang", der drei mal wiederholt wird. Mindestens zwölf mal durchläuft eine Probe den Prüfvorgang. Dafür werden dieTrägerröhrchen in Halterungen gesteckt, an denen der Spürhund vorbeigeführt wird. Wenn das Tier einen Krebsgeruch wahrnimmt, gibt er Laut, bzw. zeigt das Behältnis an. Darauf beruht dann die Computerauswertung. Die durchschnittliche Trefferquote beträgt ca. 90 Prozent (durch Studien belegt) und eignet sich vor allem zur Vorsorge undTherapieüberwachung, da auch kleinste bösartige Veränderungen von den Hunden erkannt werden können. Bei Kindern kann man diese Methode zur Nachkontrolle einsetzen, weil sie schnell, schmerzlos ohne Strahlenbelastung durchführbar ist. Ein Test kostet 95 Euro und wird mit der Post versandt. Er ersetzt keine Untersuchung und stellt auch keinesfalls eine ärztliche Diagnose dar.

Nähere Informationen: www.krebssuchhunde.at Telefon: 0664/97 90 300 Festnetz und Fax: 03126/51056

Quelle: Krone, 11/11