Grüner Tee als Waffe gegen Krebs

Tee ist ein komplexes Getränk, das aus mehreren hundert verschiedenen Molekülen besteht, die ihm sein Aroma, seinen Geschmack und seine typische Adstringenz verleihen. Ein Drittel des Gewichts eines Teeblatts setzt sich aus einer Untergruppe von Polyphenolen, den Flavanolen, zusammen, besser bekannt als Catechine – und diese Moleküle sind die Hauptverantwortlichen für das krebshemmende Potenzial des grünen Tees.

Wie alle anderen Polyphenole sind auch die Catechine komplexe Moleküle, die eine äußerst wichtige Rolle in der Physiologie der Pflanze spielen, denn sie besitzen pilztötende und antibakterielle Eigenschaften, die der Pflanze helfen, sich gegen das Eindringen einer großen Anzahl pathogener Stoffe zu wehren. GrünerTee enthält mehrere Catechine, darunter EGCG oder Epigallocatechin-gallat, den Starmit dem größten anti-karzinogenen Potenzial unter den Catechinen.

Es ist wichtig festzustellen, dass der Gehalt von Catechinen in grünem Tee je nach Anbauort, Erntezeit und Herstellungsverfahren enorm variiert. Anders gesagt, das bloße Etikett „Grüner Tee“ auf einem Produkt beweist nicht notwendig, dass dieses große Mengen an krebshemmenden Wirkstoffen enthält. Bei unseren Analysen mehrerer Sorten von grünem Tee stellten wir beispielsweise fest, dass der Anteil von EGCG, der beim Ziehen freigesetzt wird, sehr große Schwankungen aufweist. Grüne Tees aus Japan enthalten in der Regel weitaus mehr EGCG als solche aus China.

Auch die Zeit, in der die Blätter im heißen Wasser ziehen, ist ein sehr wichtiger Faktor für den Gehalt an Polyphenolen. Zieht der Tee weniger als fünf Minuten, dann werden nur 20 Prozent der Catechine freigesetzt, die nach einer Infusionszeit von 8 bis 10 Minuten normalerweise extrahiert werden würden. Ein Tee von mittelmäßiger Qualität, der nur kurz gezogen hat, kann also beinahe 60-mal weniger Polyphenole enthalten als ein hochwertiger Tee, der lange genug ziehen konnte. Es versteht sich von selbst, dass diese enormen Variationen beträchtlichen Einfluss auf die präventive Wirkung gegen Krebs haben, die mit dem Konsum von grünem Tee verbunden ist.

Die sehr große Schwankungsbreite in der Zusammensetzung von grünem Tee erschwert auch jede Analyse seiner möglichen Schutzwirkung bei Krebs auf der Basis epidemiologischer Untersuchungen. Dennoch deuten mehrere Untersuchungen aus den letzten Jahren auf eine positive Wirkung von grünem Tee bei der Krebsprävention hin, wobei dieser Effekt am ausgeprägtesten bei Blasen- und Prostatakrebs zu sein scheint. Auch bei Brust- und Magenkrebs wurde eine gewisse Schutzwirkung beobachtet, diese ist allerdings aufgrund widersprüchlicher Resultate in verschiedenen Studien nicht gesichert. Wahrscheinlich sind diese Unterschiede zum großen Teil auf die extremen Schwankungen im Polyphenol-Gehalt des grünen Tees zurückzuführen. Zukünftige Untersuchungen, die das krebshemmende Potenzial von grünem Tee eindeutig nachweisen wollen, sollten daher die reale Aufnahme an Polyphenolen erfassen und nicht die Menge des konsumierten Tees.

Doch schon jetzt sprechen viele Gründe dafür, dass der Konsum von grünem Tee das Krebsrisiko erheblich senken kann. Bei Zellkulturen im Labor wurde festgestellt, dass EGCG das Wachstum mehrerer Krebszelllinien hemmt, darunter Zellen aus menschlichen Leukämien, Erythroleukämien, Nieren-, Haut-, Brust-, Mund- und Prostatakrebs. Diese Effekte sind vermutlich wesentlich. Denn in Tierversuchen hat es sich gezeigt, dass grüner Tee die Entwicklung vieler durch Karzinogene verursachte Tumoren verhindert, besonders bei Haut-, Brust-, Lungen-, Speiseröhren-, Magen- und Darmkrebs. Diese Schutzwirkung beschränkt sich aber offenbar nicht nur auf Tumoren, die durch Karzinogene ausgelöst wurden: Verabreicht man transgenen Mäusen, die spontan ein Prostatakarzinom entwickelten, grünen Tee im Futter, wird das Wachstum dieser Tumoren dadurch beträchtlich eingeschränkt - und das bereits bei Mengen, die Menschen durch den regelmäßigen Konsum von grünem Tee zu sich nehmen können.

Ein Wirkungsmechanismus des grünen Tees, der vielleicht am meisten zur Hemmung des Tumorwachstums beiträgt, ist sein extrem hoher Einfluss auf den Prozess der Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen - siehe auch Kapitel 3, Anm.d.Ü.). Unsere Arbeiten haben gezeigt, dass EGCG unter allen in Nahrungsmitteln natürlich vorhandenen Molekülen, die bisher identifiziert wurden, die stärkste Blockadewirkung auf den VEGF-Rezeptor hat. Dieser nimmt eine Schlüsselrolle bei der Auslösung der Angiogenese ein. Das Interessanteste daran ist, dass diese Hemmung des Rezeptors sehr schnell erfolgt und dafür schon geringe Konzentrationen des Moleküls genügen, die problemlos durch den Konsum einiger Tassen grünen Tees pro Tag erreicht werden können. Die Hemmung der Angiogenese stellt folglich mit Sicherheit einen der wichtigsten Mechanismen dar, durch die grüner Tee zur Krebsprävention beitragen kann.

Man kann die Geschichte nicht neu schreiben, aber wenn man alle krebshemmenden Eigenschaften des grünen Tees kennt, dann kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass der Krebs vielleicht weniger schwer auf unseren Ländern lasten würde, wenn der Westen seine Vorliebe für grünen Tee bewahrt hätte, anstatt ihn durch schwarzen zu ersetzen. Doch die Situation ist ja durchaus umkehrbar: Denn die Liebhaber von schwarzem Tee, die neugierig genug sind, um jenseits ihrer Gewohnheiten zu experimentieren, werden angenehm überrascht sein vom appetitlichen Aussehen des grünen Tees, von seinem durstlöschenden Geschmack und geringen Koffeingehalt (ein Viertel des schwarzen Tees). Grüner Tee kann weit mehr sein als ein schlichter Bestandteil der Ernährung - er kann die „Seele“ dieser Ernährungsweise werden, ein Symbol für die Leichtigkeit und das Vergnügen, mit dem wir dem Organismus unaufgeregt und ohne Aufwand seine tägliche Dosis krebshemmender Wirkstoffe zuführen können. Der große Teemeister Sen-no-Rikyu (1522 -1591) sagte, der Weg des Tees sei nichts anderes als dies: „Zuerst kochst du Wasser, dann machst du den Tee und dann trinkst du ihn.“ Nach allem, was wir inzwischen erfahren haben, könnten wir als Viertes hinzufügen: Und so bekämpfst du den Krebs.

Zusammenfassung

Im Unterschied zum schwarzen Tee enthält grüner Tee große Mengen an Catechinen, also Molekülen, die eine Vielzahl krebshemmender Eigenschaften besitzen.

Um einen maximalen Schutzeffekt zu erzielen, wählen Sie besser japanischen Grüntee, der mehr krebshemmende Wirkstoffe enthält, und lassen Sie den Tee 8 bis 10 Minuten ziehen, damit die Moleküle für den Körper verfügbar werden. Trinken Sie immer frisch gebrühten Tee (vermeiden Sie Thermoskannen) und verteilen Sie Ihre drei Tassen über den Tag.

Quelle: Prof. Dr. med. Richard Beliveau, Dr. med. Denis Gingras. Krebszellen mögen keine Himbeeren. Nahrungsmittel gegen Krebs. Das Immunszstem stärken und gezielt vorbeugen.