Gehirntumor - der Feind im Kopf

Die Diagnose Gehirntumor bedeutet für Patienten und Angehörige einen großen Schock! Durch neue Therapiemöglichkeiten kann in vielen Fällen die Lebenserwartung deutlich gesteigert werden. Psychologische Hilfe verbessert die Lebensqualität.

Es gibt gutartige und bösartige sowie primäre und sekundäre Gehirntumore. Gutartige Geschwüre unterscheiden sich von bösartigen vor allem auch durch ihre Wachstumsgeschwindigkeit:

"Gutartige Gehirntumore sind - insbesondere durch operative Entfernung - heute gut behandelbar. Aber auch bei inoperablen, die sich an Stellen befinden, wo sie ohne Beeinträchtigung wesentlicher Gehirn- und Körperfunktionen nicht entfernt werden können, gelingt es immer besser, deren Wachstum durch gezielte Bestrahlung zu hemmen bzw. einzubremsen," erklärt Univ.-Prof. Dr. Christine Marosi von der klinischen Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik für Innere Medizin am AKH Wien.

In Österreich gab es 2009 (das sind die aktuellsten Daten, die zur Verfügung stehen) insgesamt 1.563 Neuerkrankungen an primären Gehirntumoren (Tumore, die sich aus Zellen im Gehirn selbst entwickeln).

Sekundäre Gehirntumore (Metastasen im Gehirn infolge anderer Krebserkrankungen im Organismus) treten jährlich bei ca. 6.000 bis 7.000 Menschen in Österreich auf.

Die häufigsten Gehirntumore sind:

Meningeome

An der gutartiger Form erkranken etwa 425 Personen jährlich (davon 114 Männer, und 311 Frauen - d.h. Frauen sind hier deutlich stärker betroffen)

Glioblastome

Glioblastome ist häufigster bösartiger Gehirntumor. Dabei gibt es 340 Neuerkrankungen jährlich (davon 191 Männer und 144 Frauen).

Die Glioblastome-Symptome hängen davon ab, an welcher Stelle im Gehirn das Geschwür liegt. "Erste Anzeichen können z. B. allgemeines Unwohlgefühl, Gereiztheit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Rückzugsbedürfnis sein. Diese Symptome werden jedoch zumeist erst im Nachhinein - nach erfolgter Diagnose - der Erkrankung zugeordnet, weil sie eben häufig auch bei Menschen, die keinen Gehirntumor haben, auftreten," berichtet Prof. Marosi.

Bei den oben genannten Beschwerden sollte trotzdem immer ein Arzt aufgesucht werden! Die Diagnose erfolgt durch bildgebende Verfahren - in der Regel durch Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomografie (CT).

Die Ursachen für (primäre) Gehirntumore sind bis heute unbekannt. Neuerdings gibt es erste Hinweise auf bestimmte Defekte in den Reparaturmechanismen der Zellen.

Die moderne Therapie beim bösartigen Gehirntumor besteht in einer Kombination von Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Die Behandlung erfolgt idealerweise an einem Neuroonkologischen Zentrum (Medizinische Zentren, die auf bösartige Gehirntumore spezialisiert sind).

Dank der heute zur Verfügung stehenden therapeutischen Möglichkeiten gelingt es zunehmend, die Lebensqualität von Glioblastom-Betroffenen zu verbessern und deren Lebenserwartung deutlich zu erhöhen.

Die große Hoffnung für die Zukunft liegt einerseits in der Kombination der bewährten Chemotherapie mit so genannten antiangiogenetischen Medikamenten, die in der Lage sind, die Blutversorgung des Tumors zu hemmen und ihn so von der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr abzuschneiden.

Auch an einer Tumor-Impfung wird gearbeitet: Im Rahmen einer Studie an der Nervenklinik in Linz versucht man, das Immunsystem von Patientinnen mit neu diagnostiziertem Glioblastom gegen - nach der Operation verbliebene - minimale Tumorreste zu mobilisieren.

"Aufgrund der Therapie, die sofort nach der Diagnose startet und für den Patienten sehr anstrengend ist, (wodurch er intensiv beschäftigt wird), sind die Angehörigen in dieser ersten Phase der Erkrankung oft wesentlich verzweifelter als die Patienten selbst," betont Prof. Marosi.

Deshalb benötigen sowohl Patienten als auch deren Angehörige psychologische Betreuung. Ziel des Angebots ist es, die medizinische Therapie von Gehirntumor-Patientinnen durch die psychologische Beratung sinnvoll zu ergänzen und auch Angehörigen Unterstützung zu bieten, damit diese mit der schwierigen Situation der Erkrankung des geliebten Menschen besser umgehen können.

Derzeit gibt es ein neues Modell psychoonkologischer Unterstützung kostenlos an vier Neuroonkolgischen Zentren (Wien, Graz, Linz, Feldkirch). Geplant ist, dieses neue Modell noch an einer Reihe weiterer Spezial-Zentren in ganz Österreich einzurichten.

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.gehirntumor.at. Hier können über die Info-Hotline auch Fragen an Expertinnen gestellt werden. In Österreich gibt es seit einiger Zeit eine Selbsthilfegruppe für Patienten und deren Angehörige - geleitet von einer Ärztin, deren Lebenspartner vom Gehirntumor betroffen war.

Quelle: Krone