Fiebertherapie - die aktive Hyperthermie mit Bakterien-Autolysaten

Aktive und passive Hyperthermie

Die aktive Hyperthermie wird als „Fiebertherapie" bezeichnet. Die therapeutische Körpertemperatur-Erhöhung wird durch Stoffe erzeugt, die das Immunabwehrsystem aktivieren, so z.B. durch Injektion steriler Bakterien-Autolysate. Die passive Hyperthermie wird mit Hilfe spezieller physikalischer Apparaturen entweder als Ganzkörper-Überwärmung oder als lokal - regionale Überwärmung angewendet.

Rückblick in die Geschichte der „Fiebertherapie:

Hippokrates sprach vom „reinigenden Feuer". Für Hufeland (1762 - 1836) war Fieber noch „Ausdruck einer Naturkraft, die den Heilungsprozess einleitet". Fehleisen behandelte 1882 in Würzburg Krebskranke mit Rotlauf-Erregern (Erysipel-Kokken). Coley verwendete ab 1892 in New York eine sterile Kombination aus Streptokokken und Bacterium prodigiosum zur Fiebererzeugung. Über 700 gut dokumentierte Fälle von Rückbildungen von soliden Tumoren sind aus dieser Zeit veröffentlicht worden. Laurence stellte 1854 fest, dass Krebspatienten vor Beginn ihrer Krebserkrankung in der Regel keine fieberhaften Erkrankungen durchgemacht haben. Lambotte fand l896 im Rahmen einer von der Belgischen Chirurgischen Gesellschaft durchgeführten Studie bei 600 Krebspatienten nur bei 5 % fieberhafte Erkrankungen in ihrer Vorgeschichte, während in einer gleich großen Gruppe von Patienten ohne Krebserkrankungen die Häufigkeit febriler Reaktion bei 80 % lag. Schmidt äußerte sich 1910 auf diese Weise: „Wer der Scylla der fieberhaften Infektionen im Laufe seines Lebens entgangen ist, wird der Charybdis einer Krebserkrankung im Laufe seines Lebens begegnen". Er stellte bei 241 Patienten mit Leberkrebs fest, dass 180 keine infektiösen Erkrankungen während ihrer Kindheit durchgemacht hatten und 99 während ihres gesamten Lebens keine fieberhaften Erkrankungen aufwiesen. Julius Wagner von Jauregg erhielt 1929 den Nobelpreis für seine Entdeckung, dass mit künstlich erzeugtem Malaria-Fieber schwerste neurologische Luesfälle zu kurieren waren. Remy stellte 1982 aufgrund statistischer Erhebungen fest, dass Krebskranke vor ihrer Erkrankung weitgehend keine fieberhaften Infekte erlebt haben. Kienle und Kiene bezeichnen 2003 die Fiebertherapie als ein gutes Beispiel für eine „cognition-based Medicine", die auch von praktischen Ärzten entwickelt und dokumentiert werden kann.

Gründe für mangelhafte Fieberreaktionen

Ungenügende Versorgung mit Nahrungsstoffen, z.B. Aminosäuren, Lipide, Mineral-Spurenstoffen (Mg, Zn, Se) und Vitaminen (vor allem C) sowie kachektische Zustände mit kataboler Stoffwechselsituation. Bei chronischen und malignen Erkrankungen kommt es regelmäßig zu mangelhaften Funktionen der primären und sekundären Immunorgane.

Zwei Therapiemethoden der aktiven Hyperthermie

Es können nach Baldwin und Byers zwei Bereiche der Fiebertherapie charakterisiert werden:

1. Es kommt nach systemischer, intravenöser Infundierung der Bakterienlysate zu mehr oder weniger hohem Fieber und einer allgemeinen Immunstimulation.
2. Nach lokal-regionaler subkutaner Injektion der Bakterienlysate kommt es sowohl zu milder verlaufenden Temperaturerhöhungen mit spezifischen als auch unspezifischen Immunantworten.

Tumorträger haben in ihrer Vorgeschichte selten Fieber gehabt

Issels hat das wirksame Prinzip der aktiven Hyperthermie innerhalb des Tumortherapie-Konzeptes an der Äskulap-Klinik für Ganzheitsmedizin bei 7000 Fieberstößen bestätigt Es wurden außer Krebspatienten auch erfolgreich Autoimmunkranke (Colitis ulzerosa, Rheuma etc.) mit sterilen Bakterienlysaten zur Fiebererzeugung behandelt.

Durchführung der systemischen Fiebertherapie

Bei der Therapie mit mixed bacteria vaccines (MBV) nach Coley sind folgende Punkte streng zu beachten:
1. Größe des Tumors (Stadium)
2. Immunkompetenz des Patienten
3. Potenz des Vakzine-Präparates
4. Dosierung, Häufigkeit und Dauer der iv.-Infusionen
5. Möglichst enger Kontakt mit dem Tumor (Injektionsregion)
6. Zeitliche Anpassung an anderweitig notwendige onkologische Maßnahmen
(Op., Radiatio, Chemotherapie, Immuntherapie etc,)

Wirkungen der systemischen (intravenösen) aktiven Hypertherapie

Bei Krebspatienten kommt es zu Rückbildungen von Tumoren, Verhinderungen von Rezidiven und Metastasen, Verringerung der Tumorschmerzen, Verbesserungen des Blutbildes, Appetit - und Gewichtszunahme, rascherer Wundheilung und Regeneration von Knochengewebe.

Eigene Untersuchungen ergaben, dass vornehmlich die TH-1-Lymphozyten und die natürlichen Killerzellen (NKZ) aktiviert werden. Im Lymphozyten-Transformations-Test (LTT) und bei der Messung der Aktivitäten der NK-Zellen gegenüber Krebszellen sind im immunologischen Labor deutliche Aktivierungen festzustellen.

Zusammenwirken zwischen passiver und aktiver Hyperthermie

Klinische Erfahrungen in der Hamburger Elbeklinik haben bei mehr als 800 als „austherapiert" geltenden Krebspatienten erwiesen, dass eine Kombinationsbehandlung mit i.v. Bakterienlysat-Infusionen plus lokaler physikalischer KW-Dreiphasen-Hyperthermie im Rahmen einer modifizierten Krebs-Mehrschritt-Therapie mit Verabfolgungen von Immunmodulatoren (Thymusinjektionen und Antioxidanzien) sehr hohe Remissionsquoten ergeben haben.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen bei systemisch-intravenösen Anwendungen

Akute Infektionen, Herz-Kreislaufleiden, Thrombosen, generalisierte allergische Reaktionen mit kardiovaskulären Problemen, Leberschäden, hämorrhagische Diathese, Nebenniereninsuffizienz und Gravidität zählen zu den Kontraindikationen. Aufklärung über erträgliche Nebenwirkungen wie Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, evtl. Durchfall und Übelkeit sowie hypo-tone Kreislaufbeschwerden nach der Entfieberung muss vor Therapiebeginn erfolgen.

Indikationsgebiete für die lokal-regionale (subkutane) aktive Hyperthermie

Subkutan injizierte Bakterienlysate sind wirksame Therapiemöglichkeiten in der Praxis in Kombination mit wirksamen Antibiotika bei akuten und chronisch rezidivierenden bakteriellen und viralen Infektionen, aber auch bei allergischen Erkrankungen und Autoimmunleiden (Colitis ulzerosa, Morbus Crohn, Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, rheumatisches Fieber, multiple Sklerose). Während der Fieberphase bieten Patienten erleichterten Zugang zu ihrer Tiefenpsyche, wodurch psychotherapeutische Interventionen von Vorteil sein können.

Patienten berichten sowohl nach systemisch-intravenöser als auch nach lokal-subkutaner Fiebertherapie über eine deutliche Zunahme des Wohlbefindens.

Für lokal-regionale, subkutane Anwendungen kleinerer Dosen bestehen keine Kontraindikationen und geringfügige Nebenwirkungen werden nur sehr selten beobachtet.

Begleitbehandlung erhöht generell die Wirksamkeit der Fiebertherapie

Vor, während und nach der Anwendung aktiver Hyperthermie-Verfahren ist es sinnvoll, durch regelmäßige Injektionen mit Thymusextrakt-Injektionen und Gaben von Antioxidanzien sowie orthomolekularen Ergänzungen die notwendigen Voraussetzungen für eine Verbesserung der Immunabwehr zu schaffen. Ohne diese Ergänzungen zur Immuntherapie kann die Fiebertherapie mit dem vergeblichen Versuch verglichen werden, in einem ausgebrannten Haus mit Streichhölzern und Brandsätzen ein Feuer zu entzünden.

Quelle: Forum Hyperthermie, 1/10.2007
Autor: Dr. Günter Neumeyer, Arzt für innere Erkrankungen