Krebsbehandlung auf eigene Kosten

Eine neue Krebstherapie versetzte in diesem Sommer die Ärzteschaft in helle Aufruhr. Die einen priesen sie als neue Wunderwaffe und stellten drei angeblich vom Krebs geheilte Patienten vor, die anderen bezeichneten die Therapie als nutzlos und warfen ihren Ärztekollegen vor, falsche Hoffnungen zu wecken.

Aus ganz Österreich meldeten sich Krebskranke und wollten in den Genuss dieser Behandlung kommen. Als obendrein die Therapie, die noch nicht wissenschaftlich anerkannt ist, um Tausende Euro angeboten wurde, war der Skandal perfekt. Nicht nur die Ärzte, sondern auch die vielversprechende Therapie gerieten ins Zwielicht. Tatsache ist, dass an der Frauenklinik der MedUni am Wiener AKH eine Studie läuft, bei der diese sogenannte Immuntherapie an krebskranken Patientinnen erprobt wird. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Ein Wiener Arzt bietet eine Krebstherapie anZellaktivierung „Weltweit wird an dieser Therapie, die bei verschiedenen Krebsarten helfen soll, geforscht. Und weltweit gibt es eine erquickliche Zahl von Einzelfällen, bei denen sie erfolgreich eingesetzt werden konnte", sagt der Wiener Frauenarzt Friedrich Gill.

„Und zwar auch bei Patienten, bei denen alle herkömmlichen Behandlungen keinen Erfolg mehr brachten." Der Wiener--,Gynäkologe prescht jetzt vor und bietet erstmals in Österreich in seiner neuen onkologischen Praxisklinik Med Vital die „Immuntherapie mittels dendritischer Zellen" an. Das sind hochspezifische Zellen der körpereigenen Abwehr, die die Eigenschaft haben, andere Abwehrzellen (Killerzellen) zu aktivieren. „Gerade bei bösartigen Tumoren ist oft die Funktion dendritischer Zellen gestört - das Karzinom wächst weiter", so der Gynäkologe.

Bei der Immuntherapie werden körpereigene Zellen zur Krebs-Bekämpfung eingesetzt. Dazu werden aus dem Blut des Patienten Monozyten entnommen. Diese Zellen werden in einem speziellen Labor (Firma Cell Med) bearbeitet, kultiviert und vermehrt. Nach der Reifung erfolgt die Abfüllung in Impfungen. Die Patienten erhalten acht bis zehn Wochen hindurch je eine Impfung. Damit werden ihnen dendritische Zellen in hoher Zahl injiziert, um die eigenen Killerzellen zu aktivieren und den Tumor zu zerstören. Kosten: 14.000 Euro, die Krankenkasse zahlt nichts.

Immuntherapie

Unterm Mikroskop: Die vielfache Vergrößerung zeigt, wie eine Tumorzelle (rot) von den körpereigenen Killerzellen bekämpft wird

Gegenargument. Der Direktor des Wiener AKH ist gegen die Anwendung der Immuntherapie. „Es ist ein Forschungsgebiet und mehr nicht", sagt Universitätsprofessor Reinhard Krepier, in dessen Haus die eingangs erwähnte Studie läuft. „Jede nützliche Therapie wird von der Krankenkasse bezahlt. Und wird eine Behandlung nicht von ihr übernommen, können Patienten davon ausgehen, dass diese nicht nützlich ist."

Dieser Meinung hält Frauenarzt Gill entgegen, dass beispielsweise in Deutschland ein Teil der Krankerikassen die Therapiekosten bereits übernehmen. „Dass die Behandlung wirkt, weiß man inzwischen", so Gill. Man könne bewährte Krebstherapien mit der Dendritentherapie kombinieren. Besonders gut wirke sie aber nach Chemotherapien zum Aufbau der Immunabwehr.

Primarius Gill plant die Durchführung einer eigenen Studie bei Eierstockkrebs, sucht aber noch Investoren für die Finanzierung. Der Vorteil einer Studie: Krebskranke bekommen die Therapie kostenlos.

Weshalb sie so interessant sind

Die Bedeutung der dendritischen Zellen lässt sich anhand einer Schwangerschaft darstellen. Während der neun Monate werden diese Zellen im Körper unterdrückt. Setzen die Wehen ein, schießen sie explosionsartig in die Höhe, damit der „Fremdkörper" Kind ausgestoßen werden kann.

„Davon ausgehend, hofft die Wissenschaft, einen Brückenschlag zur Krebsbehandlung zu schaffen", sagt Frauenarzt Gill. Denn immer noch ist unklar, warum beim gesunden Menschen jeden Tag Tausende Krebszellen vom körpereigenen Immunsystem vernichtet werden und beim anderen nicht. Oder dass dieser Vorgang plötzlich stagniert - und der Mensch bekommt Krebs. Ein Mittel dagegen könnte in Zukunft die Dendritentherapie sein.

Quelle: Kurrier, 23.09.2007

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