Alternativtherapien - vergebene Chancen

HitzetherapieMehr als 80 Prozent der Krebspatienten suchen irgendwann im Ablauf ihrer Krankheit Therapeuten auf, die abseits der gängigen Schulmedizin Hilfe anbieten. Die Palette der Angebote ist breit und reicht von der etablierten Hyperthermie (Hitzetherapie) über den Klassiker Misteltherapie bis zu dubiosen Angeboten wie Hochvitaminpräparaten oder Aura-Diagnostik. Konkrete Evidenz für die Wirksamkeit dieser Alternativen gibt es nur in den wenigsten Fällen.

Und das ist schade, findet Ulrich Abel, Professor für Medizin-Biometrie am Krebsforschungszentrum in Heidelberg. „Sogar ich als Insider im Wissenschaftsbetrieb hätte kaum Chancen, so eine Studie durchzuführen, wenn ich Verfechter einer unkonventionellen Methode wäre." Meist fehlt es schlicht an den finanziellen Mitteln zur Durchführung einer Testreihe, weil es keinen Hersteller eines Medikaments oder eines Testverfahrens gibt, der an einer Einführung der Methode ein wirtschaftliches Interesse hat. Viele Schulmediziner begegnen der „alternativen Quacksalberei" zudem mit gehöriger Arroganz. „Hier werden zu Unrecht mögliche Heilungschancen ignoriert", meint Abel, der zumindest zwei Ansätze ausgemacht hat, die er für aussichtsreich hält: „Buttersäure-Derivate und lebende Bakterienkuren, die über die Induzierung von Fieber die Tumoren bekämpfen. Das hätte ich gerne im Rahmen guter wissenschaftlicher Studien überprüft gesehen."

Quelle: Profil 42, 11. Oktober 2004